Energiewende in der Schifffahrt hängt an unklarem CO2-Preis
Eine Studie zeigt, dass der Umstieg der globalen Schiffsflotte auf grüne Treibstoffe ohne eine weltweite Einigung auf CO2-Preise ins Stocken gerät.
Fehlender Konsens bremst den Umstieg
Die Studie modelliert die Treibstoffnutzung bis zum Jahr 2050 auf der Grundlage des Net-Zero-Frameworks der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Dieses hatte im April 2025 auf der MEPC 83 eine vorläufige Zustimmung erhalten, die formelle Annahme verzögerte sich jedoch nach dem Widerstand aus Washington auf einer Sondersitzung im Oktober um ein ganzes Jahr. Die Abstimmung ist nun für den 4. Dezember 2026 nach der MEPC 85 angesetzt, wie gCaptain berichtet.Der CO2-Preis stellt die entscheidende Variable im Modell dar. Bei dem derzeit vorgeschlagenen Niveau von 380 US-Dollar pro Tonne CO2-Äquivalent bleibt konventionelles Schweröl in Kombination mit einer Kohlenstoffabscheidung an Bord bis Mitte des Jahrhunderts die günstigste konforme Option. Erst wenn der CO2-Preis auf etwa 700 US-Dollar pro Tonne steigt, verlagert sich die Wirtschaftlichkeit zugunsten von Methanol, Ammoniak und Ethanol.
Regional begrenzte Vorschriften reichen für den Wandel nicht aus. Das Emissionshandelssystem der EU und FuelEU Maritime decken zusammen nur etwa ein Fünftel des Energieverbrauchs der internationalen Schifffahrt ab. Am 17. Juli 2026 schlug die Europäische Kommission vor, zwischen 2028 und 2040 bis zu 110 Millionen ETS-Zertifikate zur Subventionierung kohlenstoffarmer Treibstoffe zu reservieren. Großbritannien dehnte sein Emissionshandelssystem zum 1. Juli 2026 auf die nationale Schifffahrt aus.
Vergleich alternativer Treibstoffe
Methanol, Ammoniak und Ethanol im Wettbewerb
E-Ammoniak ist in der Herstellung günstiger als E-Methanol, allerdings neutralisieren spezielle Lagerung, Sicherheitszonen, Schulungen und komplexe Betankungsprozesse diesen Vorteil weitgehend. E-Methanol ist einfacher zu handhaben, benötigt jedoch eine nachhaltige Kohlenstoffquelle: Bei Preisen unter etwa 150 US-Dollar pro Tonne biogenem CO2 setzt sich Methanol durch, darüber Ammoniak. Bei beiden Treibstoffen macht grüner Wasserstoff bis 2050 mehr als die Hälfte der Gesamtkosten aus. Eine Studie von WinGD und Envision Energy aus dem März 2026 ergab, dass ammoniakbetriebene Frachter auf der Route China-Australien bei einem Bunkerpreis von 710 US-Dollar pro Tonne bereits die Betriebskosten von VLSFO-Schiffen unterbieten könnten.Die Zukunft von Ethanol hängt von dessen Klassifizierung ab. Ethanol aus Nahrungsmittelpflanzen ist kostengünstig und verfügbar, wird jedoch von FuelEU Maritime ausgeschlossen und wie fossile Treibstoffe bewertet. Das Containerschiff Laura Maersk von Maersk schloss Anfang 2026 einen Testlauf mit 100 Prozent Ethanol erfolgreich ab.