Nachhaltiger Anbau in Bad Oldesloe: Essbare Vielfalt nach dem Vorbild des Waldgartens
In Bad Oldesloe setzt der gelernte Ernährungswissenschaftler Rasmus Streich auf essbare Pflanzen und Anbau auf mehreren Ebenen. Mit seinem Waldgarten-Konzept produziert und vermarktet er heimische sowie seltene Obst- und Nussgehölze deutschlandweit.
Als 27-jähriger gelernter Ernährungswissenschaftler Rasmus Streich an einem Mittag die Radhacke zum Unkrautjäten durch die Reihen mit Apfelbäumen und Ölweidensträuchern schiebt, ist er zwischen den dicht wachsenden Pflanzen kaum zu sehen. „Mein Wunsch ist es, dass regional wieder mehr Obst und Nüsse angebaut werden“, sagt er. „Und ich möchte einfach die Vielfalt zeigen, die man hier anbauen kann. Im Garten ist viel mehr möglich als das, was man so im Supermarkt bekommt.“
In der Baumschule wachsen Stangenbohnen an Pflaumenbäumen und Kürbisse unter Quitten, wie die Tagesschau berichtet. Das Gemüse nutzt der Betreiber selbst, die Obst- und Nussbäume produziert er für den Verkauf. „In meiner Baumschule versuche ich, wie in einem Waldgarten zu arbeiten. Das heißt, in verschiedenen Schichten“, erklärt Rasmus Streich, während er am Boden wachsende Bohnen in einen Eimer pflückt. „Zum Beispiel die Buschbohne. Die profitiert vom Schatten der Obstbäume.“ Seine Pflanzen kommen ohne Dünger oder Pestizide aus. „Die Bohne hat die Eigenschaft, über Mikroorganismen an der Wurzel den Stickstoff aus der Luft zu binden. So kann sie sich selber mit Dünger versorgen. Und eventuell auch die Obstbäume.“ Ohne chemischen Dünger wachsen die Bäume langsamer und bleiben besser winterhart. Für sein Projekt gewann er im vergangenen Jahr den Nachwuchs-Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein.
Das Prinzip des Waldgartens
Ein Waldgarten ist einem natürlichen Wald nachempfunden. Er besteht aus mehreren Ebenen, zum Beispiel hohen Bäumen, Sträuchern und Bodenpflanzen, und enthält hauptsächlich essbare, mehrjährige Pflanzen. Die Idee stammt aus der Permakultur. Ziel ist es, die Vorteile eines natürlichen Waldes wie Stabilität, Artenvielfalt und Widerstandsfähigkeit mit den Erträgen eines klassischen Gartens zu verbinden. „Ich finde es superspannend, dass man ganze Systeme nur aus essbaren Pflanzen schaffen kann, die einem Wald ähneln. Für mich ist diese Baumschule mehr als nur Arbeit. Es ist eine Berufung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Man hat nie ausgelernt“, so Rasmus Streich.
Experimente mit exotischen Sorten und eigener Vermehrung
Angefangen hat alles vor vier Jahren im Garten seiner Eltern. Mittlerweile hat der Ernährungswissenschaftler eine Ausbildung zum Obstbaumwart absolviert und aus dem Hobby seinen Beruf gemacht. Auf einem Hektar in Bad Oldesloe wachsen 1.000 Pflanzen aus 50 verschiedenen Sorten, darunter Kaki, Maulbeeren, Kornelkirschen, Aprikosen, Paw Paw und die Japanische Herznuss. Er schneidet eine Japanische Herznuss vom Baum, um zu sehen, ob sie reif ist. „Ich achte bei der Pflanzenauswahl einmal darauf, dass sie frosthart sind, aber auch mit trockenen Sommern zurechtkommen“, erzählt er. „Da zählt die Japanische Herznuss dazu. Sie kommt zwar aus Japan, wächst aber in einem ähnlichen Klima wie hier.“
Seine Obst- und Nussbaumgehölze vermehrt er selbst in Handarbeit ohne Mitarbeiter. In einem kleinen Gewächshaus wachsen verschiedene Stecklinge, zum Beispiel Maibeeren, die ähnlich wie Blaubeeren schmecken, aber anspruchsloser beim Boden sind. „Ich habe auch immer wieder Projekte, die nicht funktionieren. Und die Maibeeren in diesem Jahr haben richtig gut funktioniert. Es ist einfach schön, aus einer Pflanze 50 Pflanzen zu vermehren.“
Versorgung von Kunden in ganz Deutschland
Seine Gehölze verschickt er deutschlandweit zu Preisen zwischen zehn und hundert Euro je nach Größe. Mittlerweile kann Rasmus Streich von seiner Baumschule leben. Besonders gefragt sind die Exoten, die man nicht überall bekommt. Während er sechs Ölweiden für den Versand in einen Karton verpackt, erzählt er: „Meine Vision ist, dass immer mehr Leute Obst- und Nussbäume in die Gärten pflanzen, aber auch Landwirte mehr auf die Äcker bringen.“ Er hofft, dass seine Baumschule weiterwächst und durch seine Pflanzen mehr Waldgärten für mehr regional angebaute Nahrungsmittel im Einklang mit der Natur entstehen.